Wieder zu Hause oder Nach der Reise ist vor der Reise
Die letzte Nacht in Singapur verbrachte ich hellwach am Flughafen. Es gab eine dreistündige Verspätung, trotzdem erreichten mein Rucksack und ich noch rechtzeitig den Anschlussflug nach Wien. Ich war wieder zu Hause. Erstes Kennzeichen: mein Reisepass interessierte hier niemanden, die Einreise verlief unerkannt. Auch in Wien blieb die Zeit nicht stehen. Wo bitte ist der Südbahnhof geblieben? Na wenigstens stand mein Wohnhaus noch, und als ich in meine Wohnung kam, war ich auch gefühlsmäßig angekommen. Heinzelmännchen hatten geputzt, einige Lebensmittel eingekauft und mehrere DVD’s mit 30 Folgen von „Dr. House“ hinterlegt. Auf meiner Terrasse grünte es, die meisten Pflanzen hatten den langen Winter überlebt, ein schöner und angenehmer Empfang.
Ich machte mich zuerst ans Auspacken, und legte mich anschließend in die Badewanne (ein herrliches Gefühl). Erster Blick in den Kleiderschrank. Soooo viel Gewand hab ich? War mir gar nicht bewusst, und alles sieht wie neu aus! Was zieh ich jetzt bloß an? Während der erste Waschgang lief, versuchte ich Ordnung ins herumliegende Chaos zu bringen. Plötzlich durchlief es mich siedend heiß. Mein Reisepass! Scheiße! Der rotierte seit 20 Minuten in der Waschmaschine! Mein treuer Begleiter konnte nicht mehr gerettet werden. Mit gequollenen Seiten und halb ausgewaschenen Stempeln sieht er jetzt aus, als hätte er im strömenden Regen des Urwaldes gelitten…. muss ja keiner wissen, dass man diesen Zustand auch ganz schnell mit einer gedankenlosen Aktion herbeiführen kann.
Erster Besuch im Supermarkt, auch hier Veränderungen. Ich fand mich nicht gleich zurecht, manches war vertraut, anderes verändert. Wo sind die Zwiebel und Erdäpfel? Die lagen doch immer hier … ah, da hinten… und die Oliven? … und mein Darbo Fruchtsirup? Schön, wenn man nicht gleich alles auf Anhieb findet, das Herumirren zwischen den Regalen gibt einem das Gefühl, ein bisschen fremd zu sein, ein sanfter Einstieg in den Alltag. Beim Anstellen an der Kassa herrschte wieder Vertrautheit, man hörte heimatliche Klänge, es wurde wieder Deutsch gesprochen…. aber will man wirklich alles hören und verstehen, was die Menschen so von sich geben?
Arztbesuche, Friseur, Nagelstudio, Jahreskarte für Wiener Linien bestellen, Internetanschluss aktivieren, Reisekonto auflösen, im Fitnessstudio anmelden, neuen Reisepass beantragen… es gab einiges zu tun in den letzten Tagen. Als ich gerade im 4. Bezirk unterwegs war, sah ich ein junges Pärchen, beide mit Rucksack, die versuchten, den Stadtplan mit ihrem derzeitigen Standort in Einklang zu bringen. Sofort versetzte ich mich in ihre Lage, ich konnte nachfühlen, wie es ist, sich in einer fremden Stadt zurechtzufinden. Ich sprach sie auf Englisch an, ob ich ihnen helfen konnte. Sie wollten zur Touristeninformation am Albertinaplatz, und befanden sich gerade an einer Stelle, die nicht mehr am Plan zu finden war. Ich zeigte ihnen den Weg und hoffe, dass sie Wien in guter Erinnerung behalten, auch wegen seiner freundlichen und hilfsbereiten Menschen.
Meine Reise ist Vergangenheit, jetzt beginnt der Alltag und trotzdem wird er anders sein. Ich habe viel gesehen und erlebt, viele Gedanken beschäftigten mich im letzten Jahr, schon während meiner Reise dachte ich an Länder, die ich noch besuchen möchte. Wie lange ich das nächste Mal unterwegs sein werde, weiss ich noch nicht, aber eines ist gewiss: ich möchte Neues sehen, entdecken und erleben, und somit wird diese Reise nicht meine Letzte gewesen sein.
Singapur.... und aus!

Singapur (Loewenstadt) liegt auf einer knapp 700 qkm grossen Insel. Von der malaysischen Grenze bis ins Stadtzentrum faehrt man etwa eine halbe Stunde. Ich dachte, ich wuerde sofort in einem Meer aus Wolkenkratzern versinken, aber die Haelfte der Zeit fuhren wir im Gruenen. Die Stadt selbst wirkt sehr westlich, sehr sauber, liegt wahrscheinlich auch an den grosszuegig vorhandenen Mistkuebeln. Ausserdem wird man staendig darauf aufmerksam gemacht, nicht zu schmutzen, so ist beispielsweise das Essen und Trinken in oeffentlichen Verkehrsmitteln verboten, ebenso Kaugummi kauen (selbst bei der Einreise muss man groessere Mengen an Kaugummi deklarieren). Man sieht auffaellig wenig Hunde auf der Strasse, was ebenfalls zur Sauberkeit der Stadt beizutragen scheint. Auch der Verkehr ist angenehm, die Vorschriften werden zumeist eingehalten, es gibt Gehsteige und geregelte Kreuzungen, man laeuft nicht staendig Gefahr ueberfahren zu werden. Natuerlich gibt es viele Hochhaeuser, aber auch viele alte Gebaeude, teilweise schoen renoviert. Mein Guesthouse liegt sehr zentral im muslimischen Viertel, die hier eine Minderheit darstellen, Singapur ist zu etwa 75% chinesisch. Ausserdem ist der Auslaenderanteil mit fast 30% der Gesamtbevoelkerung sehr hoch, da viele Fachkraefte benoetigt werden.
Singapur ist ausserdem recht teuer, im Vergleich zu allen anderen Laendern Suedostasiens sowieso, aber manches auch im Vergleich zu unseren Preisen. Der derzeit schwaechelnde Euro tut dazu sein Uebriges. Viele Touristen bleiben daher nicht sehr lange, und in einer Woche, so wie ich sie verbringe, ist auch wirklich viel Zeit zum Besichtigen, aber auch zum Relaxen.
Hauptsaechlich besticht Singapur durch sein buntes Voelkergemisch. Chinatown, Little India, Kampong Glam (muslimisches Viertel) sind Gegenden, durch die man einfach spazieren muss, um jenes Flair, das diese Stadt ausmacht, auf sich wirken zu lassen. Die Orchard Road ist eine ueberdimensionale Mariahilfer Strasse, riesige Einkauszentren laden ein, sich dem ungezuegelten Shoppen hinzugeben, oder einfach Schutz vor Hitze oder Regen zu suchen. Der Botanische Garten ist ein idealer Ort, um sich in ueppigem Gruen zu entspannen. Im Bird Park kann man in grossen Freifluggehegen vielen Vogelarten ganz nahe kommen und sie fast wie in freier Natur beobachten. Interessant war auch die Fahrt mit dem Singapore Flyer, dem groessten Riesenrad der Welt (eroeffnet 2008), aus dessen Glaskabinen man in einem etwa 30-minuetigen "Rundflug" einen tollen Panoramablick geniessen kann.
Als ich im "Sleepy Sam's Guesthouse" meinen Rucksack abstellte, hatte ich das Gefuehl an einem Ziel angekommen zu sein. Vor ueber 400 Tagen von Antwerpen gestartet, war ich jetzt viele tausende Kilometer unterwegs, meine Schiffspassage im letzten Mai liegt schon ewig weit zurueck, unzaehlige Kilometer habe ich in Bussen verbracht, in so manchem hab ich gefroren, in etlichen relativ gut geschlafen. Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis ich ins Flugzeug steige und Richtung Heimat abhebe. Ich geniesse diese letzten Tage in vollen Zuegen, und werde mir immer wieder bewusst, wie ich auch jetzt, so wie vor meiner Abreise, viele "letzte Male" erlebe.
- letztes Mal im Urwald geschlafen
- letztes Mal meine Trekkingschuhe angehabt (sie stinken bestialisch)
- letztes Mal DIESEN Bikini angehabt (ich kann ihn nicht mehr sehen!)
- letztes Mal mit dem Nachtbus gefahren (war saukalt!)
- letztes Mal mit dem Ueberlandbus gefahren
- letztes Mal eine Grenze ueberquert
- letztes Mal auf eine neue Waehrung eingestellt
- letztes Mal einen Waescheservice in Anspruch genommen
- letztes Mal Buch getauscht
- letztes Mal Geld gewechselt oder abgehoben
- letztes Mal eine Unterkunft gesucht
- letztes Mal an ein neues Bett gewoehnt
- ...
Und so schreibe ich auch ein letztes Mal aus der Ferne in mein Tagebuch, das nicht nur mir ein Begleiter war, sondern vor allem all jenen, die interessiert an meinen Erlebnissen waren. Geschichten zu erzaehlen und sie vor allem niederzuschreiben, war bisher nicht so mein Ding, aber das positive Feedback hat mich dazu ermutigt, dieses Tagebuch konstant fortzusetzen, und letztendlich hat es mir auch Spass gemacht. In diesem Sinne danke ich meinen treuen Lesern.
P.S.: Ich habe vor, noch einen Artikel unter der Rubrik "nach der Reise" zu schreiben. Damit diese Reise und dieser fuer mich wichtige Lebensabschnitt auch einen runden Abschluss findet.
Im Grossstadtdschungel

Die letzten beiden Wochen meiner langen Reise verbringe ich im staedtischen Bereich. Zuerst war ich in Kuala Lumpur (vom geuebten Malaysia-Reisenden kurz KL genannt), der Hauptstadt Malaysias. Das Stadtbild gleicht einem bunt zusammengewurfelten Haufen an Haeusern unterschiedlicher Art. Alte Kolonialbauten stehen neben modernen Wolkenkratzern, Restauriertes und Verfallendes, Kirche, Moschee, Tempel, Chinatown und Little India, hohe Tuerme und Regenwald.... alles auf relativ engem Raum. Ein Muss ist die Besichtigung der Petronas Towers, die seit ihrer Errichtung (1998) bis ins Jahr 2004 als das hoechste Gebaeude der Welt galten. Genauer gesagt kann die sogenannte Skybridge, die die beiden Tuerme auf 172m Hoehe verbindet, besichtigt werden. Einerseits ist der Besuch gratis, andererseits ist er mit 40 Personen alle 15 Minuten limitiert, was zur Folge hat, dass die Menschen schon in aller Fruehe kommen, um sich fuer ein Ticket anzustellen. Ich kam um 8 Uhr, und hatte eine Menschenmasse vor mir. Die Kartenausgabe wurde recht rasch und professionell abgewickelt, als ich an die Reihe kam, hatte ich das Glueck der Einzelperson, eine Karte war fuer 9:45 noch zu haben, alle anderen mussten bereits bis 12 Uhr warten. Letztendlich kann man 5 Minuten auf der Bruecke verbringen, und es ist... naja. Man schaut halt von 172m Hoehe in die Tiefe und in die Ferne. Vom nahegelegenen KL-Tower, einem Fernsehturm, kann man einen viel besseren Rundumblick geniessen, inklusive Audioguide, der einen mit Informationen in deutscher Sprache versorgt... kostet allerdings auch was. Rund um den Turm befindet sich Bukit Nanas, ein kleines Stueck geschuetzter Regenwald, wirklich mitten in der City. Ein Grossstadtdschungel, sozusagen.
Derzeit bin ich in Melaka, der letzten Station meines Aufenthaltes in Malaysia. Dieses Staedtchen ist insofern etwas Besonderes, als sich die verschiedenen Besatzer mit ihrer Architektur sozusagen ein Denkmal gesetzt haben. Zuerst waren es die Portugiesen, dann die Hollaender und zuletzt die Briten, die hier ihre Spuren hinterlassen haben.
Jetzt dauert es wirklich nicht mehr lange, bis ich die Heimreise antrete, und ich muss sagen: ich freue mich schon wirklich sehr aufs nach Hause kommen. Endlich erlebe ich dieses Gefuehl, bisher waren meine Reisen immer viel zu kurz. Nie wollte ich nach Hause fahren, immer hatte ich den Wunsch weiterzureisen, Neues zu sehen und zu entdecken. Was habe ich andere Reisende um ihre laengeren Trips beneidet, und jetzt war ich oft diejenige, die beneidet wurde. Aber jetzt kenne ich auch das Gefuehl, wann es genug ist (zumindest mal vorerst). Mein Hirn kann nicht mehr wirklich viel aufnehmen, die Lust nach Neuem hat merklich nachgelassen, selbst zum Fotografieren kann ich mich oft nicht mehr aufraffen, meine Gedanken beschaeftigen sich schon mehr mit zu Hause, und was ich alles tun moechte (und muss). Nur an die Arbeit denke ich noch nicht wirklich, was ich als gutes Zeichen werte, der Alltag kommt frueh genug. Und so begebe ich mich zum Endpunkt meiner langen, langen Reise, nach Singapur, wo ich sie hoffentlich erholsam ausklingen lassen kann...
Schwimmen mit Schildkroeten und Haien
Da soviele Leute von den Perhentian Inseln schwaermen, ich zufaellig in der Naehe war und zudem noch ein bisschen Zeit zur Verfuegung hatte, beschloss ich, mich am Ende meiner Reise doch noch dem Strandleben hinzugeben. Es gibt zwei Inseln, eine grosse und eine kleine, ich liess mich auf der kleinen nieder, genauer gesagt in der Coral Bay. Ich kam kurz vor Sonnenuntergang an und war gleich begeistert. Eine gruene, huegelige Insel, weisser Sand, gemischt mit Korallen, kristallklares, blaues Wasser, alles da wonach sich der klassische Badeurlauber und Strandlieger sehnt. Aber die wahre Schoenheit der Perhentians liegt unter Wasser. Am naechsten Morgen ging ich in der Frueh gleich an den Strand. Ich stand erst bis zu den Knoecheln im Wasser, als ich die ersten bunten Fische sah, etliche gelb-schwarz Gestreifte tummelten sich im seichten Wasser, langsam ging ich weiter hinein und sah silbergraue, orange, regenbogenfarbene, schwarze und einen mit orangerotem Kopf und schwarzweiss gestreiftem Koerper. Ich schwamm eine kleine Runde und wusste sofort: eine Taucherbrille mit Schnorchel musste her, und zwar gleich. Natuerlich kann man sich sowas hier ausborgen und so verbrachte ich den ganzen Vormittag und den halben Nachmittag abwechselnd mit lesend am Strand liegen und Fischen beim Schwimmen und Korallensaeubern beobachten. Es ist einfach gigantisch, dass man schon ein paar Meter vom Strand entfernt so ein tolles Unterwasserleben zu sehen bekommt.
Am naechsten Tag entschloss ich mich spontan zu einem Schnorchel-Ausflug. In der Nacht gab es ein heftiges Gewitter, es regnete bis in die Morgenstunden, aber am Vormittag kam dann doch die Sonne raus. Zu neunt machten wir uns gemeinsam mit Jeffry, unserem Schnorchel-Guide, auf den Weg, um einige spektakulaere Punkte rund um die Inseln zu erkunden. Zuerst ging es zum Shark Point, wo wir - so der Name - auf Haie treffen sollten. Hier lebt der Schwarzspitzen-Riffhai, und ich war gespannt, ob ich einen sehen wuerde. Kaum im Wasser und unter die Oberflaeche geblickt, war ich wieder beeindruckt von diesen vielen verschiedenen bunten Fischen und Korallen... und paddelte bald alleine herum. Jeffry und die anderen waren irgendwohin geschwommen, und da sich noch andere Gruppen im Wasser befanden, konnte ich sie nirgendwo sehen. Gleichzeitig die Unterwasserwelt beobachten und die Gruppe im Auge behalten, ist gar nicht so einfach. Na gut, mal sehen, ob ich auch ohne Fuehrer einen Hai zu Gesicht bekaeme. Und es dauerte nicht lange, als der erste auftauchte. Na ja, "auftauchen" ist in diesem Zusammenhang vielleicht das falsche Wort, denn er blieb natuerlich unter Wasser. Genauer gesagt schwamm er etwa 2 Meter unter mir in die gleiche Richtung, d.h. ich sah ihn ploetzlich und unerwartet unter mir durchschwimmen. Geschmeidig bewegte er sich durchs Wasser und beachtete mich ueberhaupt nicht. Was mich nicht stoerte, hat man doch irgendwie im Hinterkopf die beiden Worte "Hai" und "gefaehrlich" als Doppelpack abgespeichert. Dass es auch fuer den Menschen harmlose Haiarten gibt, das muss man sich immer erst bewusst machen. Das Tier war etwa 1,5 Meter lang, sie werden hoechstens etwa 2 Meter. Nicht lange nachdem er aus meinem Blickfeld verschwunden war, kam der naechste, ebenfalls ein groesserer, von links. Auch er zog ruhig an mir vorueber. Insgesamt sah ich 4 grosse und einen kleinen Hai, und war mit meiner "Ausbeute" sehr zufrieden. Natuerlich sollte ich nicht vergessen, dass ich auch viele Schwertfische sah, die meist in kleinen Gruppen auftreten.
Unser naechster Stop hiess "Coral Garden", wo wir unter hunderten Fischen schwimmen konnten. Grund dafuer war, das Jeffry die Fische mit Brot anfuetterte, worauf sie scharenweise an die Oberflaeche kamen. Ich hatte das Gefuehl in einem Aquarium zu schwimmen und wunderte mich, dass es bei so vielen Fischen kaum zu Beruehrungen kam. Nach diesem bunten Treiben ging es zum Turtle Point, hier konnten wir riesige Wasserschildkroeten beobachten, und auch einige Zeit mit ihnen schwimmen, bis sie in tiefere Regionen hinabtauchten. Sie werden immer von ein, zwei kleineren Fischen begleitet, denen sie Schutz bieten, dafuer befreien sie die Schildkroeten vom Algenbewuchs auf deren Panzer.
Nach der Mittagspause ging es noch zu zwei weiteren Punkten, wobei ich noch einmal so richtig in den Genuss der farbenpraechtigen Unterwasserwelt kam. Man konnte hier "Findet Nemo" spielen, wobei es nicht so schwierig war, den kleinen Clownfisch zu finden, bzw. alle seine Brueder und Schwestern, man musste nur nach Seeanemonen Ausschau halten, und dann sah man die kleinen Fischlein. Leider kenne ich die meisten Namen der Meeresbewohner nicht, jede Menge Papageien- und Lippfische waren jedenfalls dabei.
Ich hatte das Gefuehl, live in einer Doku von National Geografic zu sein. Meine Augen waren die Kamera, die diese wunderbaren Bilder einfingen, um sie fuer immer in meinem Gedaechtnis zu speichern.Bei den Blutsaugern

Mit einem Alter von ca. 130 Millionen Jahren beheimatet der Taman Negara Nationalpark einen der aeltesten Urwaelder der Welt. Das kleine Dorf Kuala Tahan liegt am gegenueberliegenden Ufer des Eingangs und ist mit Unterkuenften recht gut ausgestattet. Ich quartierte mich im Tahan Guesthouse ein, sehr freundliche Inhaber, sehr nettes Zimmer, aber es gab einen Haken, der erst um 5:35 in der Frueh erkennbar wurde. Gleich nebenan stand eine Moschee, ein unauffaelliger Bau, als religioese Staette fast nicht wahrnehmbar. Aber die Distanz der Lautsprecher war mit etwa 20 Meter doch recht nah, und als der Muezzin in der Frueh loslegte und die Leute zum Gemeinschaftsgebet aufrief, war ich hellwach. Der Singsang dauerte etwa 3 - 4 Minuten... naja, wenn schon gebetet werden muss, dann bat ich instaendigst, schnell wieder einschlafen zu koennen.
Am naechsten Tag erkundigte ich mich wegen einer Tour. Ich wollte gerne noch einmal eine Nacht im Dschungel verbringen. Am Abend stand fest, dass es gleich am naechsten Tag losgehen konnte, 4 Personen sind das Minimum bei so einer Tour, wir waren 6 Leute. Equipment wie Matte, Schlafsack, Teller, Becher und Loeffel wurde bereit gestellt, ebenso 3 grosse Flaschen Wasser, ausserdem trug jeder ein bisschen was vom Proviant. Ali war unser Fuehrer, und bevor es richtig losging, mussten wir ans andere Ufer uebersetzen, um uns bei der Nationalparkbehoerde registrieren zu lassen. Bevor man ueberhaupt in dieses Gebiet reisen darf, bekommt man fuer 6 RM (1,50 Euro) eine Aufenthalts- und Fotografiererlaubnis. Diese muss man staendig bei sich fuehren, wenn man den Park betritt und jederzeit vorweisen koennen. Wir wurden ausserdem befragt, wieviele Dosen, Flaschen, Plastiksaecke, Batterien, Kleidungsstuecke und Schuhe wir dabei haetten, ohne dass jemand die Angaben kontrolliert haette. Anschliessend bestiegen wir wieder unser Boot und fuhren etwa eineinhalb Stunden den Fluss Sungai Tembeling hinauf. Unser Boot hatte zum Glueck ein Dach, denn es regnete schon den ganzen Vormittag. Unser Ausgangspunkt war Kuala Trenggan, hier gab es mal schoene Bungalows zum Uebernachten, mittlerweile werden die Unterkuenfte von Studenten genutzt, die hier ihren wissenschaftlichen Studien nachgehen koennen. Unser Ziel war die Hoehle Gua Kepayang Besar, die wir in einem 8 Kilometer Fussmarsch nach etwa 4 1/2 Stunden, inklusive kleiner Pausen, erreichten. Mittlerweile hatte der Regen aufgehoert, die Luftfeuchtigkeit war extrem hoch. Der Schweiss tropfte aus allen Poren, obwohl der Weg selbst nicht wirklich schwierig war. Aber es ging immer wieder mal rauf mal runter, staendig lagen Baumstaemme im Weg, ueber die man klettern musste, oder unten durchkriechen, immer wieder gab es kleine Baeche, die ueberquert werden mussten.
Eine wirkliche Plage waren aber die vielen kleinen Blutegel, die am Boden herum wuselten. Besonders zahlreich nach Regenfaellen suchen sie nach Opfern, denen sie ein bisschen Blut abnehmen konnen. Ich war an einer Spende dieser Art nicht sonderlich interessiert und stopfte die Hosenbeine in meine Socken. Die anderen hatten zum Teil nur kurze Hosen an, was es den Blutsaugern leicht machte... und bald floss Blut in Stroemen. Ein einziger Wurm hatte Glueck bei mir. Als wir eine Rast einlegten und ich meinen Rucksack abstellte, erkletterte er offenbar als blinder Passagier mein Gepaeck. Ich suchte zwar den Rucksack ab, bevor ich ihn wieder schulterte, aber der Kerl versteckte sich geschickt und kroch anschliessend unter mein Hemd, wo er sich oberhalb der Huefte entschloss, seine Mahlzeit einzunehmen. Man merkt ja ueberhaupt nichts, der Biss ist schmerzfrei, eine blutgerinnungshemmende Substanz laesst ihn dann ungehindert schluerfen, bis er satt ist und runterfaellt. Dann blutet die Stelle noch eine Weile, bis die Gerinnung einsetzt. Mein Hemd war blutig, aber ich bemerkte es erst, als wir bereits in der Hoehle waren. Bei den anderen sah es spektakulaerer aus, denn dort hatten sich die Egel an den Beinen festgesetzt, und anschliessend floss soviel Blut wie in einem Horrorfilm.
Ali machte gleich mal Feuer, um etwaigen Tieren in der Umgebung klar zu machen, dass die Hoehle besetzt ist. Dann sammelten wir Brennholz, und holten Wasser fuers Kochen von einem nahegelegenen Bach. Man konnte sich gut vorstellen, dass die Hoehle vor vielen Tausenden Jahren womoeglich bewohnt war, Platz genug gab es jedenfalls. Aus den mitgebrachten Zutaten zauberte unser Fuehrer ein koestliches Abendessen, bestehend aus Reis, Gemuese und einem Huehner-Rindfleisch Curry. Wir langten alle tuechtig zu. Spaeter lagen dann alle faul auf den Matten, es wurde noch geplaudert, Ali erzaehlte ein bisschen ueber sich und das Dschungelleben. Das Feuer gloste noch etwas, ein Scheinwerfer war zum Hoehleneingang gerichtet. Ploetzlich ein Scheppern! Wir hatten das schmutzige Geschirr etwas abseits gestellt, und aus dieser Richtung kam das Geraeusch. Wir sassen alle aufrecht, Ali richtete den Strahl der Lampe zu unseren Tellern und da sass sie... die Ratte. Durch das Licht aufgeschreckt, suchte sie rasch das Weite. Da wir nun wussten, dass es einen weiteren Hoehlenbewohner gab, blieben wir ruhig liegen, als es erneut raschelte und klapperte.
Waehrend ich auf die Geraeusche des Dschungels lauschte, duerfte ich irgenwann mal eingeschlafen sein, obwohl das Lager doch recht hart war. Die Nacht verging rasch und bald schimmerte durch den oberen Hoehleneingang (oder Ausgang?) Licht herein, langsam wichen die Nachtgeraeusche jenen des Tages, Voegel begannen zu singen. Nach und nach erwachten alle. Es gab ein einfaches Fruehstueck und anschliessend packten wir zusammen. Gegen 10 Uhr brachen wir auf, unsere zweite Etappe war ebenfalls 8 Kilometer lang, es ging wieder viel rauf und runter, die Blutegel waren diesmal nicht ganz so laestig. An einem etwas breiteren Fluss machten wir Rast fuers Mittagessen, und hier konnten wir auch ein erfrischendes Bad nehmen, es gab zumindest eine tiefere Stelle, wo man ein bisschen untertauchen konnte. Obwohl viele Tiere hier leben, sahen wir so gut wie keine. Ein recht grosses Eichhoernchen und einen fluechtenden Waran, der die Groesse eines Krokodils hatte, waren die einzigen Tiere, denen ich begegnet bin, viele sind nachtaktiv, oder man muesste sich wirklich fuer laengere Zeit auf die Lauer legen. Wenn 7 Leute durch den Urwald gehen, machen sie unweigerlich Laerm. Was es allerdings in Unmegen zu sehen gab, waren Honigbienen (groesser als unsere) und bunte Schmetterlinge. Sobald wir stehen blieben, wurden sie von unserem Schweissgeruch angelockt und umschwirrten uns und unser Gepaeck. Ein gruen-schwarzer Falter hatte sich offenbar so sehr in mein T-Shirt verliebt, dass er gar nicht mehr loslassen wollte.
Gegen 16 Uhr waren wir an unserem Ziel angekommen, wo wir auf unser Boot warteten. Genau zu diesem Zeitpunkt fing es zu schuetten an. Wir konnten uns unterstellen, und als unser Boot schliesslich kam (ohne Dach), regnete es nur mehr leicht. Wir verstauten unser Gepaeck in Plastiksaecken, denn auf unserer 20-minuetigen Fahrt wurden wir waschelnass. Aber nicht vom Regen, sondern von den Stromschnellen, die unser Bootsfahrer mit Begeisterung und Hoechstgeschwindigkeit durchfuhr. Drei-, viermal klatschte das Wasser ueber unseren Koepfen zusammen. Schoen war der letzte Ausflug in den Dschungel, aber jetzt freute ich mich schon auf eine kuehle Dusche und trockene Kleidung.
Ausflug zu einer Naturschoenheit der besonderen Art

Schon als ich in Tanah Rata, einem der wenigen kleinen Orte in den Cameron Highlands ankam, war mir klar, warum sich die Englaender hier seinerzeit niederliessen. Auf 1500 bis 1800m herrschen untertags fruehsommerliche Temperaturen, in den Naechten kuehlt es ab, dazu gibt es den einen oder anderen Regenschauer, all dies macht ein angenehmes Klima und laedt zum Verweilen ein. Die gruenen Berge ringsum sind allerdings nicht mehr ausschliesslich von Regenwald bewachsen. Mittlerweile musste viel Dschungelvegetation den verschiedenen Anbauflaechen Platz machen. Neben Gemuese ist die Gegend bekannt fuer ihre riesigen Erdbeerfarmen und Teeplantagen. Und der Besuch einer Tea Factory ist natuerlich ein Muss, wenn man schon mal da ist. Alle 3 Wochen werden die obersten Blaetter der Teestraeucher geerntet, eine muehevolle Arbeit, die mittlerweile von Gastarbeitern gemacht wird. Vor allem Leute aus Indonesien, Bangladesch und Burma kommen hierher, um innerhalb von 3 Jahren soviel Geld zu verdienen, damit sie und ihre Familien spaeter zu Hause ein besseres Leben fuehren koennen. Unterkuenfte werden gratis zur Verfuegung gestellt, direkt auf den Plantagen, 20 Sem (etwa 5 Eurocent) bekommet ein Pfluecker fuer einen Kilo geernteter Teeblaetter. Man bekommt einen kurzen Einblick in den Produktionsablauf und sollte anschliessend auch ein bisschen was verkosten. Die reinen Schwarzteesorten sind natuerlich die Edelsten, mir hat es aber die Geschmacksrichtung "Lychee - Rose" besonders angetan.
Das Highlight dieser Tour war aber eindeutig die Besichtigung einer besonderen Naturschoenheit, der Rafflesia, der groessten Bluetenpflanze der Welt. Dazu mussten wir das Hochland verlassen, denn Rafflesia waechst nur zwischen 500 und 700 Hoehenmetern, und das ausschliesslich in Suedostasien. Wir fuhren in einem 4x4 Landrover, der nach etwa einer Stunde so richtig zum Einsatz kam, denn wir verliessen die Strasse, um etwa 3 km Offroad - ein wirklich bemerkenswerter "Ritt" durch den Wald - zu jener Stelle zu gelangen, wo unsere Wanderung begann. Rafflesia waechst nicht touristenfreundlich am Wegesrand, wir mussten etwa eine Stunde durch den Dschungel wandern, mit einem der einheimischen Fuehrer, denn nur diese kennen den genauen Standort. Jenes Exemplar, das ich zu Gesicht bekam, hatte einen Durchmesser von laeppischen 40 cm, sie kann naemlich eine Goesse von bis zu einem Meter erreichen. Aber auch "der Winzling" war recht beeindruckend. Rafflesia ist heikel, es darf nicht zu feucht oder zu trocken sein (daher diese Hoehenlage), und sie ist eine Schmarozerpflanze, d.h. sie benoetigt einen Wirt zu ihrer Vermehrung, in diesem Fall eine Weinrebenart. Die Entwicklung bis zur Bluete dauert etwa 5 Jahre. Vom Samen bis zur Knospe in Tennisballgroesse sind es 4 Jahre, bis zum Fussball dann nochmals etwa 10 Monate. Die Bluetezeit ist mit ca. 7 Tagen vergleichsweise kurz. Welch irrer Aufwand, um fuer kurze Zeit attraktiv zu sein! Ihre Attraktivitaet ist allerdings nur auf das aeussere Erscheinungsbild beschraenkt. Mit ihrer Farbe und dem Geruch, den sie verstroemt (von dem man aber erst am Ende der Bluetezeit was bemerkt), gibt sie vor, Aas zu sein, um Fliegen fuer die Bestaeubung und Samenverbreitung anzulocken. Die einheimischen Fuehrer sind staendig damit beschaeftigt, neue Rafflesia-Blueten zu finden, um dann die Touristen hinzufuehren. Mittlerweile hat sich in ganz Suedostasien ein regelrechter "Rafflesia-Tourismus" entwickelt, was aber eher positive Auswirkungen hat, da in diesen Gebieten die Abholzung von Regenwald gestoppt wurde.
Aber die Cameron Highlands sind auch wunderbar geeignet, Dschungelwanderungen auf eigene Faust zu unternehmen. Sobald man den Einstieg gefunden hat (was nicht immer einfach ist), sind die Wege sehr gut erkennbar, verirren praktisch nicht moeglich, manche Touren sind sehr anstrengend, weil es staendig steil bergauf und bergab geht, aber man ist meist fuer 2 - 3 Stunden voellig alleine unterwegs, Tiere sieht man allerdings kaum, ein paar Voegel und eine Art Eichhoernchen war alles, was ich zu Gesicht bekam, aber es ist trotzdem einfach schoen, durch den Wald zu gehen, man hat wirklich das Gefuehl, weit weg von jeglicher Zivilisation zu sein.
Ich werde noch ein paar Tage bleiben und dann zum Taman Negara Nationalpark aufbrechen, wo ich vermutlich zum letzten Mal meiner Reise Dschungel-Feeling erleben kann.
Der Countdown laeuft...

...und das fiel mir besonders auf, als ich auf Don Khon ueber Malaysia und Singapur zu lesen, und die letzten Stationen meiner langen Reise zu planen begann.
Mittlerweile bin ich von Bangkok nach Pulau Penang geflogen, eine Insel im Nordwesten Malaysias gelegen. Bangkok hat mich bei meinem zweiten Besuch noch mehr abgeschreckt, sie gehoert definitiv nicht zu meinen Lieblingsstaedten Asiens. Natuerlich ist das Gebiet rund um die Khao San Road nicht typisch fuer Bangkok, und irgendwie doch... denn hier versammlt sich ein Grossteil von Touristen, der hauptsaechlich zum Saufen herkommt. Und als ich gegen 6 Uhr morgens ankam, war zwar noch nicht viel los auf der Strasse, aber denjenigen, die unterwegs waren, sah man den Alkoholspiegel mehr als deutlich an. In einem Lokal gab's Streit. Eine junge Frau schlug jemanden in ihrer Trunkenheit mit dem Bierglas eins ueber, worauf ein Kellner ihr einen Faustschlag versetzte und sie gemeinsam mit ihrer Freundin hinauswarf. Zwei junge Englaender standen im Minimarket mit glasigen Augen und auf wackeligen Beinen vor dem Eiskasten mit kaltem Bier und waren enttaeuscht, dass vor 11 Uhr kein Alkohol verkauft wird. Aber eine einheimische Frau, die auch nicht ganz nuechtern zu sein schien, versprach, sie koenne ihnen ein paar Dosen Bier besorgen. Die Tuk-Tuk-Fahrer betreiben hier eine Art Abzocke, die ich anderswo auch nicht erlebt habe. Als ich den Tempel Wat Pho besuchen wollte (beruehmt fuer seine vergoldete, liegende Buddhastatue), sprach mich so ein Fahrer an, und meinte, der Tempel sei heute wegen einer Zeremonie geschlossen, aber er koenne mir eine Tour zu einer anderen Buddhastatue anbieten. Ich versicherte ihm, dass es mir egal sei, ob der Tempel geschlossen ist, und ging weiter Richtung Eingang. Unterwegs erinnerte ich mich daran, dass diese Art von "Tourangebot" in meinem Reisefuehrer beschrieben ist, und als ich zum Eingang kam - oh Wunder - war geoeffnet, und jede Menge Touristen tummelten sich auf dem Gelaende. Nach der Besichtigung sprach mich wieder ein Tuk-Tuk-Fahrer an, der mich fuer unglaubliche 20 Baht (50 Eurocent) zu allen moeglichen Staetten bringen wollte. Verdient der Kerl da ueberhaupt noch was? Natuerlich, denn bei so einer Tour muss man in Kauf nehmen, dass ein Souveniergeschaeft nach dem anderen angesteuert wird, wo er Provision erhaelt, soferne der Tourist was kauft. Ich erklaerte ihm, dass ich an einer Shoppingtour nicht interessiert sei. "No shops...." wollte er sich rausreden, aber er liess es dann doch bleiben. Yveline, die Franzoesin, erzaehlte mir, dass so ein Fahrer, als sie ihm nach dem zweiten Laden erklaert hatte, "definitly no more shops", waehrend sie eine Sehenswuerdigkeit besuchte, einfach abgehauen ist. Ich habe den Eindruck, dass die Thailaender schon recht verdorben sind durch den Tourismus, zumindest in Bangkok. Wie angenehm und entspannt war es da in Laos. Da kann es sein, dass du den Tuk-Tuk-Fahrer erst aufwecken und erklaeren musst, dass er mit dir Geld verdienen kann. Somit fiel die Entscheidung, wie es mit meiner Reise weitergeht, relativ rasch. Ich buchte einen Flug nach Penang.
Malaysia ist ganz anders als die Laender, die ich bisher besucht hatte. Schon bei der Ankunft erkennt man sofort, dass man in ein muslimisches Land einreist. Viele Frauen mit Kopftuch sind bereits am Flughafen zu sehen. Aber eigentlich herrscht in Malaysia ein Religionsmix, Buddhismus, Hinduismus und Christentum sind ebenfalls vertreten, und wenn man so durch die Strassen schlendert, scheinen sie auch friedlich nebeneinander zu existieren. Georgetown, die groesste Stadt auf Pulau Penang, ist ein huebsches Staedtchen, mit vielen Haeusern im Kolonialstil, hier wohnen viele Chinesen, aber auch Inder, Indonesier und natuerlich Malaien. Per Definiton sind alle Malaien Muslime, alle anderen werden als nichtmalaiische Staatsbuerger Malaysias bezeichnet.
Am 9. Mai gegen 14 Uhr Ortszeit ereignete sich an der Nordkueste Sumatras ein Erdbeben, das auch in Penang zu spueren war. Ich sass gerade in meinem Zimmer am Bett, als dieses leicht zu schaukeln begann, auch der Boden vibrierte. Es dauerte vielleicht eine Minute, aber an ein Beben dachte ich nicht, eher an irgendwelche Hausbewohner, die herumsprangen, dass die Waende wackelten. Ueber das Erdbeben las ich erst naechsten Tag in der Zeitung. Waehrend meines Aufenthaltes hatte es geschaetzte 40 Grad, die Luftfeuchtigkeit gefuehlte 99%, was mich haeufig in klimatisierte Raeume fluechten liess. 2 Tage Stadtbesichtigung waren bei dieser bruetenden Hitze genug, und ich beschloss, mich in die gruene Natur zu begeben, in die Cameron Highlands, mit der Hoffnung auf etwas Abkuehlung.
Si Phan Don (Teil 2) - wo Koerper, Seele und Geist in der Haengematte baumeln

Ich fuehle mich wohl hier auf Don Khon. Einige Leute begruessen mich, als wuerden sie mich schon ewig kennen. Dass Touristen laenger als 3 Tage bleiben, ist eher die Ausnahme. Ich dachte schon auf Don Khon gaebe es viele Gaestehaueser und Restaurants, aber als ich einen Spaziergang auf Don Det unternahm (die beiden Inseln sind durch eine ehemalige Eisenbahnbruecke miteinander verbunden), war mir klar, dass hier die "Party-Insel" ist. Eine doerfliche Struktur, so wie auf Don Khon ist hier nicht erkennbar, eine Unterkunft, ein Lokal reiht sich ans andere. Jetzt in der Nebensaison wirkt alles gespenstisch leer, es gibt wohl einige Touristen auf den beiden Inseln, aber man laeuft sich nur selten ueber den Weg. Und so kann es durchaus sein, dass man voellig alleine in einem der unzaehligen kleinen Speiselokale sitzt, die alle in etwa das Gleiche zu aehnlichen Preisen anbieten. Ich habe rasch mein Stammlokal gefunden, die junge Frau ist nicht nur sympathisch, sie kann auch ausgezeichnet kochen, bei ihr schmeckt einfach alles. Nebenbei kuemmert sie sich um ihre etwa 3 Jahre alte Tochter und einen Saeugling.
Waehrend meines Aufenthaltes hat sich die Wetterlage geaendert. Waren die ersten 3 Tage bruetend heiss und ein spaziergang um die Mittagszeit fast nicht moeglich, gab es am Abend des 4. Tages ein heftiges Gewitter mit Regenfaellen, die bis in die Nachtstunden andauerten. Die darauffolgenden Tage waren etwas kuehler, es gab mehr Wolken am Himmel, es regnete nun fast jeden Tag, entweder in der Frueh oder am Abend. Die Regenzeit duerfte langsam beginnen, und wenn der Regen herunterprasselt und die Blitze fuer einen Augenblick die Umgebung taghell erleuchten, gibt es nichts Schoeneres, als in der Haengematte zu schaukeln und dieses Naturschauspiel zu geniessen.
Meine kleine Terrasse ist ein idealer Standort fuer Beobachtungen. Ein kleiner Weg fuehrt unmittelbar daran vorbei zum Fluss, der von vielen Dorfbewohnern benutzt wird. Von frueh morgens bis spaet in die Nacht kommen die Menschen hierher, zum Waesche waschen, zur Koerperpflege, zum Wasser holen, zum Fischen oder einfach nur zur Abkuehlung. Wie jener Bueffel, der fast jeden Morgen entlang getrottet kommt, um sich mit Wonne in die Fluten zu werfen. Manchmal taucht er unter, sodass nicht einmal die Spitzen seiner Hoerner zu sehen sind. Aber zumeist steht er fuer lange Zeit im Wasser und geniesst offenbar das erfrischende Bad. Keine 3 Meter entfernt gehen die Menschen in den Fluss, um sich zu waschen, mit Seife und Shampoo wird dabei nicht gespart, anschliessend noch Zaehne geputzt. Auf sauberkeit wird viel Wert gelegt, immer wieder kommt jemand vorbei, der sich schnell mal Fuesse, Haende und Gesicht waescht, oder auch sein Moped, ebenfalls mit viel Schaum.... der dann langsam den Mekong hinuntertreibt und sich irgendwann aufloest. Wasser holen ist eine Taetigkeit der Frauen und Kinder, eigentlich unverstaendlich, warum gerade diese zarten Schultern soviel Gewicht tragen muessen. Ein Maedchen von etwa 12 Jahren kommt mit zwei Kuebeln, die an den Enden einer Stange haengen. Sie geht ein paar Schritte in den Fluss, zieht die beiden Eimer mit Hilfe der Stange durchs Wasser und schultert gekonnt ihre Last. Ein junger Bursche, geschaetzte 15 Jahre, kommt mit einer Schuessel, in der eine schwarze Hose und ein weisses Hemd liegen. Waesche waschen ist hier keiner Geschlechterrolle unterworfen. Zwar waschen tendenziell mehr Faruen die Waesche, abe man sieht auch viele Maenner bei dieser Taetigkeit. Vielleicht hat die Mutter des jungen Mannes gesagt: "Ich habe heute frueh schon die Waesche gewaschen. Wenn du Hemd und Hose dringend benoetigst, dann wasche sie selbst." Er ist auch ganz akribisch bei der Sache, als ein etwa 10-jaehriger Bub des Weges kommt, um Wasser zu holen. Er geht zuerst mit dem einen Kuebel in den Fluss, dann mit dem anderen, und schoepft beide randvoll. Dann befestigt er sie an der Stange, geht in die Knie und versucht sie wie ein Gewichtheber auf der Schulter nach oben zu stemmen. der Versuch scheitert. Er leert ein bisschen wasser aus dem einen, dann aus dem anderen Gefaess und versucht es nochmals. Wieder wird Wasser ausgeleert, allerdings kommt es ihm jetzt zu wenig vor, und er fuellt die Eimer erneut. Das Spiel beginnt von vorne, er ist einfach zu schwach fuer diese schwere Last. Der aeltere Bursche hat seine Waesche beendet und schickt sich zum Gehen an. Der Kleine hievt die Stange mit den schweren Kuebeln auf seine rechte Schulter und geht zwei Schritte, dann beginnt er unter der drueckenden Last zu jammern. Der Grosse hat Erbarmen und befreit den armen Kerl. Dieser freut sich, die Waschschuessel tragen zu duerfen, waehrend der Aeltere nochmals in den Fluss steigt und die beiden Eimer bis an den Rand fuellt. Dann schwingt er die Stange gekonnt ueber die Schulter in den Nacken und legt laessig die Arme darueber. "So macht man das, Kleiner!"
Ja, man kann schon viel beobachten und dabei macht man sich auch den einen oder anderen Gedanken......... der Bueffel erledigt bei dem langen Stehen im Wasser sein Geschaeft...daneben waescht sich eine junge Frau die Haare...die Lauge treibt flussabwaerts, wo jemand Wasser fuers Kochen schoepft....... Fuer uns unvorstellbar und zum Nase ruempfen, fuer die Menschen hier ganz normaler Alltag.
Si Phan Don (Teil 1) - Rueckzug auf eine der 4000 Inseln

Schon der Name Si Phan Don - Viertausend Inseln - liess meiner Fantasie freien Lauf. Wie wuerde dieses, ganz im Sueden Laos' gelegene Gebiet aussehen? Die Beschreibungen, die ich las und hoerte, klangen vielversprechend, aber wuerde ich wirklich eine Idylle am Mekong erleben? Oder tummeln sich dort womoeglich hunderte von Touristen, gerade weil die Gegend als wunderschoen und abseits vom Trubel gilt? Don Khong, Don Det und Don Khon sind jene 3 Inseln, die man besuchen kann. Sie sind auf Touristen eingestellt, es gibt Gaestehaeuser, Lokale und seit ca. 2 Jahren auch auf den beiden kleineren Inseln Don Det und Don Khon Elektrizitaet, seit kurzem sogar rund um die Uhr. Ich beschloss die Insel Don Khon zu besuchen. Sie liegt am weitesten suedlich unmittelbar an der Grenze zu Kambodscha.
Als ich um die Mittagszeit bei bruetender Hitze aus dem kleinen Boot stieg, dass mich und ein paar andere Passagiere auf der Insel absetzte, und mich auf die Suche nach einem Quartier machte, wusste ich es bereits: hier bleibe ich laenger! Bald hatte ich ein nettes, einfaches Zimmer gefunden, das mit allem ausgestattet war, was ich brauchte; einem grossen Bett mit Moskitonetz, Ventilator, Klo, Dusche mit Kaltwasser (wer braucht bei diesen Temperaturen eine heisse Dusche?), eine Terrasse mit Tisch, Sessel, Haengematte und Blick auf den Mekong. Ich war zufrieden. Ausser faul in der Haengematte zu liegen, ein Buch nach dem anderen zu lesen, einen koestlichen Fruchtshake nach dem anderen zu trinken und laotische Gerichte zu geniessen, kann man schoene Spaziergaenge unternehmen, Wasserfaelle besichtigen, winzig kleine Straende zum Baden aufsuchen und - mit etwas Glueck - die sehr seltenen Irrawaddy-Delfine beobachten.
Ich lernte Evelyne kennen, Franzoesin, ebenfalls alleinreisend und ebenfalls an Delfinen interessiert. Also machten wir uns gemeinsam auf den Weg zu einem nicht allzu weit entfernt liegenden Strand, wo man Boote samt Fahrer mieten konnte. Es war 4 Uhr Nachmittag, die Sonne stand noch hoch am Himmel, als wir losfuhren. Eine wunderschoene etwa 20-minuetige Fahrt fuehrte uns an Felsen und kleinen Inselchen vorbei, vielleicht sind es ja 4000 Inseln, wenn man jeden Stein, jede Sandbank und jeden Strauch, der aus dem Wasser ragt, dazu zaehlt. Dann kamen wir an eine recht breite Stelle des Flusses, der geeignete Platz fuer's Beobachten. In Sichtweite zu Kambodscha paddelte unser Bootsmann ruhig durch das Gewaesser. Ploetzlich ein Ruf und ein Deuten. Tatsaechlich! In einer groesseren Entfernung schwammen offenbar zwei Delfine, erkennbar an den Wasserfontaenen,die sie aus ihren Blasloechern spritzten. Drei-, viermal tauchten sie auf und wieder unter, bevor sie verschwanden. Kurz darauf tauchten wieder zwei (dieselben?) auf, diesmal etwas naeher, sodass man ihre glaenzenden, silbergrauen Ruecken erkennen konnte, und wenig spaeter nochmals, etwa 10 Meter entfernt. Trockenzeit und Tageszeit (zeitig in der Frueh, spaeter Nachmittag) waren zwar guenstige Voraussetzungen, um die Tiere zu sehen, aber hier leben nur noch knapp ein Dutzend dieser seltenen Flussbewohner. Die Verwendung von Kiemennetzen wurden ihnen zum Verhaengnis, daher sind diese Netze in diesem Teil des Flusses, in dem die Delfine leben, jetzt angeblich verboten. Wir blieben fast eine Dreiviertelstunde draussen, aber erst kurz vor der Rueckfahrt, zeigten sie sich noch einmal. In 5 bis 7 Meter Entfernung schwammen zwei Delfine, in einem Halbkreis tauchten sie ein paar Mal auf und ab. Schoen, dass es zumindest einige von ihnen noch gibt, und vielleicht schwimmen in Zukunft wieder mehrere in den ruhigen Gewaessern des Mekong.
Waschelnass ins neue Jahr

Den Neujahrsfesten nach zu urteilen, die ich auf meiner Reise erlebt habe, muesste ich schon 3 Jahre unterwegs sein. In Laos wird am 14. April Pii Mai, das laotische Neujahrsfest, gefeiert, aber das Land beginnt schon ein paar Tage vorher und feiert auch noch ein paar Tage spaeter. Neben dem auch anderswo ueblichen Gang in die Tempel, um fuer Glueck, Gesundheit und anderes zu beten und zu bitten, gibt es hier die Tradition des Waschens der Buddhastatuen mit speziell gereinigtem Wasser. Aber auch die Menschen bespritzen sich gegenseitig, was manchmal in regelrechten Wasserschlachten ausartet, beschmieren sich und andere mit Farbe und/oder verstreuen weisses Puder. Eines ist in diesen Tagen sicher: man bleibt nicht trocken! Ein guter Tipp: wichtige Dinge wasserdicht verpacken und rein ins Vergnuegen!
In Muang Ngoi, einem etwa 900 Einwohner zaehlenden Doerfchen, konnte ich am 14. April einer Prozession der Moenche beiwohnen. Sie zogen durch die Hauptstrasse, dahinter ging eine groessere Gruppe der Dorfbewohner, es wurde getrommelt und gesungen, am Strassenrand standen Menschen, die die Vorbeiziehenden mit Wasser aus Wasserpistolen Marke "Pumpgun" bespritzten oder mit Kuebeln ueberschuetteten. Touristen gegenueber war man zurueckhaltender, ein paar Wasserspritzer, ein bisschen Russ im Gesicht, alles ganz harmlos.
Waehrend Andi, Eva und ich am naechsten Morgen auf die Abfahrt des Bootes nach Nong Khiaw warteten, konnten wir den Aufbau der Festzelte auf der anderen Uferseite beobachten. An diesem Abend wurde hier sicher ordentlich gefeiert. In Nong Khiaw nahmen wir ein sawngthaew (woertlich "zwei Reihen"), ein umgebauter Pick-up mit Baenken auf beiden Seiten, einem Dach und offenen Seitenwaenden, das uns in 3 Stunden nach Luang Prabang brachte. Auf dieser Fahrt lernten wir so richtig kennen, was es heisst, Neujahr auf laotisch zu feiern, und es traf uns voellig unerwartet. Zwei Gruppen waren auf beiden Strassenseiten postiert, die mit Kuebeln, Bechern und Schuesseln auf herannahende Fahrzeuge warteten. Von beiden Seiten wurden wir ueberschuettet und waren nass bis auf die Haut. Ab jetzt hielten wir Ausschau. Wo stand eine groessere Menschenmenge herum? Wo glitzerte es verdaechtig nass auf der Strasse? Um dann so gut es ging in Deckung zu gehen, was nicht immer moeglich war. Besonders fies: diejenigen, die mit dem Schlauch spritzen. Waehrend der Fahrt wechselte der Zustand der Kleidung staendig, mal nass, dann feucht, dann trocken, dann wieder nass usw. bis wir am Busbahnhof ankamen. Von dort nahmen wir ein Tuk-Tuk ins Zentrum und wurden natuerlich wieder klatschnass. Waehrend der Neujahrsfeierlichkeiten sind viele Unterkuenfte in der Stadt ausgebucht, wir fanden aber doch recht schnell ein nettes Guesthouse, wo wir uns mal trocken legten, dann stuerzten wir uns ins Getuemmel.
Man kann es eigentlich nicht vermeiden, nassgespritzt zu werden. In jeder Strasse stehen kleine Grueppchen und warten mit ihren vollgefuellten Behaeltern auf Vorbeikommende. Man kann natuerlich energisch deuten, dass man nicht nass werden moechte, und das wird auch meistens akzeptiert, aber eigentlich hat man da schon verloren, denn lustiger ist es, wenn man mitmacht. Demzufolge statten sich auch etliche Touris mit Wasserpistolen aus. Viele Pick-ups und kleinere Lastwagen fahren durch die Stadt, auf der Ladeflaeche Menschen und eine grosse Tonne mit Wasser, und so entwickeln sich Wasserschlachten zwischen den am Strassenrand Stehenden und jenen auf den Fahrzeugen. Am Freitag gab es eine Prozession, allen voran gingen die Moenche, die aus kleinen Bechern vorsichtig an der Schulter uebergossen wurden, was offenbar Glueck bringen soll, dahinter kamen ethnische und andere Gruppen, die ebenfalls ordentlich durchnaesst wurden.
Das viele Pritscheln duerfte der Wettergott als Aufforderung verstanden haben, oder er wollte einfach nur mitspielen, und schickte am spaeten Nachmittag ein paar Gewitterwolken vorbei. Bei dem vielen Wasser von oben war der feuchtfroehliche Spass schnell zu Ende, und jeder fluechtete in die Haeuser. Regenwasser bereitet anscheinend nicht so viel Vergnuegen. Das Gewitter fuehrte zusaetzlich zu einem stundenlangen Stromausfall in der ganzen Stadt.
Sabaidii Pii Mai 2010 
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